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Zur langjÀhrigen Lobbypolitik des Deutschen Bauernverbandes (DBV) in Ostdeutschland – Ein Inte

Zur Einordnung von Born Born war, nach seiner Zeit als stellvertretender GeneralsekretÀr ab 1991 GeneralsekretÀr des Deutschen Bauernverbandes, der im Westen eher konservativ, das Leitbild des bÀuerlichen Familienbetriebes vertrat. Dieser Verband begann schon frÃŒhzeitig, wÀhrend der Wende in der DDR mit deren Organisation „Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe“ (VdgB) eine enge Zusammenarbeit. Zur Geschichte des VdgB Die VdgB war die Organisation der SED, ohne die die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft in der DDR nicht zu verwirklichen gewesen wÀre (Bastian, 2003). In der DDR wurden noch Mitte 1959 mehr als 55% der landwirtschaftlichen FlÀche von Familienbetrieben bewirtschaftet, trotz der vielfachen Repressionen, denen sich die Bauern der DDR durch den SED-Staat vor allem seit 1952, aber beginnend schon ab 1948 ausgesetzt sahen. Die Repressionen gegen die Bauern nahmen ab 1959 nochmals dramatisch zu, sodaß im April 1960 die SED die Vollkollektivierung verkÃŒnden konnte. In diesem Prozess der Verfolgung und Repression hatte die VdgB eine zentrale Rolle (s. dazu zusammenfassend Beleites et al., 2010). Die VdgB war nicht nur das Instrument der Zwangskollektivierung, sondern sie war auch in den Jahren danach das Sprachrohr der LPG-Betriebe und das heißt, wesentlich der Verband der Agrarnomenklaturkader in der DDR (s. zum Begriff Bastian, 2010). Und mit dieser Organisation, dem VdgB, dem ErfÃŒllungsgehilfen der Zerstörung bÀuerlicher Landwirtschaft in der DDR, beginnt der DBV noch vor den ersten freien Wahlen eine intensive Zusammenarbeit. Diese fÃŒhrt dazu, daß im MÀrz 1990 auf dem VdgB-Kongress in Suhl sich der VdgB in Anwesenheit des DBV-PrÀsidenten von Heeremann in Bauernverband der DDR umbenennt. Die enge Zusammenarbeit war zu diesem Zeitpunkt schon vollzogen; sie endet damit, daß der VdgB im Rahmen des DBV die ostdeutschen LandesbauernverbÀnde bildete. Damit wurden die Agrarnomenklaturkader der DDR maßgebend fÃŒr die gesamte Entwicklung der ostdeutschen Landwirtschaft und die repressiven VdgB- Strukturen in den gesamten Deutschen Bauernverband eingefÃŒhrt (Gerke, 2008; Bastian, 2003). Der DBV insgesamt wurde damit Interessenvertreter der LPG- Nachfolger und derjenigen Nomenklaturkader, die aus den SahnestÃŒcken liquidierter LPGen einen eigenen Betrieb, zum Beispiel als GbR etablierten. Der DBV erfand als Propagandabegriff zur Verschleierung der Übernahme großer Teile der DDR-Agrarstrukturen in das vereinigte Deutschland den Begriff der „Mehrfamilienbetriebe“ zur Charakterisierung der juristischen Personen. Verschleiert wird mit diesem Begriff auch, daß in den LPG-Nachfolgebetrieben in den meisten FÀllen nur Einzelne oder Wenige die VerfÃŒgung ÃŒber das Betriebsvermögen haben. Und an dieser Entwicklung war Born, wie kein zweiter, anfangs als stellvertretender, spÀter als GeneralsekretÀr beteiligt. Das muß man vorab wissen, um die abwegigen Aussagen Borns im Interview einschÀtzen zu können. Zum Interview selbst Born behauptet, daß zu wenige WiedergrÃŒnder von bÀuerlichen Betrieben im Osten nach der Wende neu anfangen wollten, er nennt 25.000- 30.000 Betriebe, was nahezu prÀzise der Anzahl der tatsÀchlich gegrÃŒndeten Betriebe entspricht. Diese hÀtten die volle UnterstÃŒtzung und Sympathie des DBV besessen. Die Darstellung Borns hat mit der RealitÀt der Lobbyarbeit des DBV in Ostdeutschland nach der Wende jedoch nichts zu tun. Die von Born erwÀhnten finanziellen Hilfen fÃŒr BetriebsgrÃŒnder sind das eine. Viel grundlegender jedoch ist an erster Stelle die VerfÃŒgung ÃŒber landwirtschaftlicher FlÀchen zur Bewirtschaftung, sei es als Pacht oder als EigentumsflÀchen. Wie konnten nun Familienbetriebe zur NeugrÃŒndung in Ostdeutschland nach der Wende landwirtschaftliche FlÀchen erhalten? Zu dem Zeitpunkt befanden sich mehr als 60% der landwirtschaftlichen FlÀchen in der VerfÃŒgung von Bund, LÀndern oder Kommunen, ein weiterer Teil, gerade in Ostdeutschland im Eigentum der evangelischen Kirchen. Damit kamen Bauern nicht an der Notwendigkeit zur Pachtung oder dem Erwerb von FlÀchen der öffentlichen Hand vorbei. Wie aber wurden diese FlÀchen verpachtet? Über die Verpachtung wurde in sogenannten Pachtkommissionen bei den Ämtern fÃŒr Landwirtschaft entschieden. Besetzt wurden diese entscheidenden Kommissionen regelmÀßig mit ein bis zwei Mitgliedern des jeweiligen Landesbauernverbandes, hÀufig ehemalige SED- Mitglieder, ein bis zwei Vertretern aus der Leitung des Amtes fÃŒr Landwirtschaft, in der Regel Ex-Block-CDU Mitglieder oder ehemalige Mitglieder der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands (DBD). Unter diesen Bedingungen kam es nicht auf Sachkriterien bei der Verpachtung an; der größte Teil der FlÀchen wurde an die Agrarnomenklaturkader verpachtet, einige FlÀchen an westdeutsche AgrarfunktionÀre. WiedergegrÃŒndete Bauernhöfe gingen weitgehend leer aus. Zentrale Verantwortung fÃŒr diese Verhinderung von neuen Bauernhöfen in Ostdeutschland hatte der DBV. Deren PrÀsident, von Heeremann, war als einziger Vertreter von Landwirten im Aufsichtsrat der BVVG, der bundeseigenen Boden-Verwertungs- und Verwaltungsgesellschaft. Die Konsequenz der vom DBV mit zu verantwortenden Bodenpolitik ist heute in Ostdeutschland der Verkauf der Landwirtschaft an externe Investoren. Und hier gerÀt Born unter Rechtfertigungsdruck. Er schiebt diese Entwicklung auf die UnterstÃŒtzung juristischer Personen nach der Wende. TatsÀchlich sind es aber die mit FlÀchen alimentierten Agrarnomenklaturkader, die von der BVVG fÃŒr 2.000- 4.000 € den Hektar gekauft haben und diese FlÀchen nun fÃŒr 20.000- 35.000 €/ ha verkaufen können. Ursache des Ausverkaufs ist also die ÃŒbermÀßige Subventionierung dieser Gruppe. Born beklagt in diesem Zusammenhang die fehlende breite Eigentumsstreuung in der ostdeutschen Landwirtschaft. Er vergißt jedoch zu erwÀhnen, daß er an zentraler Stelle dafÃŒr verantwortlich war. Noch 2010 hat Born selbst gefordert, die Bewirtschaftungsverpflichtung nach dem Kauf von BVVG-FlÀchen von 15 auf 10 Jahre zu reduzieren – eine Maßnahme, die zur Beschleunigung des Ausverkaufs und zu weiterer Landkonzentration gefÃŒhrt hÀtte. Die Rolle des DBV in der Bodenpolitik wurde unterstÃŒtzt durch die Lobbyarbeit im Bereich der EU-AgrarprÀmien zugunsten der ostdeutschen Großbetriebe, durch die Lobbyarbeit zugunsten der LPG- Nachfolger bei der Altschuldenregelung und der Vermögenskonzentration der LPGen auf wenige Mitglieder der Nachfolger. Die Darstellung des ehemaligen DBV- GeneralsekretÀrs Born zur Rolle des DBV bei der Transformation der DDR Landwirtschaft ist geschönt bis falsch und wird im Interview an keiner Stelle kritisch hinterfragt.

Literatur: Bastian, Uwe (2003), Dissertation FU Berlin. Bastian, Uwe (2010), in Beleites et al. Berlin. Beleites et al. (2010), Klassenkampf gegen die Bauern. Berlin. Gerke, Jörg (2008): Nehmt und euch wird gegeben. Das ostdeutsche Agrarkartell. Hamm.

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